Geschichte in kürze:
Die Berlinbesucher, die an historischen Zusammenhängen interessiert sind, finden in diesem Bereich des Reiseführers viele wichtige Daten und Informationen z.B. eine kurze Chronik Berlins, eine Übersicht über die brandenburgischen und preußischen Monarchen und Informationen über die historischen Stadtmauer.
Der Berliner Mauer, die die Stadt von 1961 bis 1989 in zwei Hälften teilte, ist ein eigener Schwerpunkt gewidmet. Die Geschichte vom Reichstag findet hier ebenso eine ausführliche Erwähnung wie die vom Potsdamer Platz.
Berlin - ein Überblick enthält eine kurze Zusammenfassung der geschichtlichen Entwicklung der Stadt. Die Zeit zwischen 1945 und 1990 wird in den Artikeln nach 1945,Ostpolitik und Friedliche Koexistenz, Der Fall der Mauer, Wendezeiten beschrieben.
Darüber hinaus können Sie Berlins Geschichte nach Momenten durchstöbern, die heute noch lebendig sind, wie Kennedys Rede am Schöneberger Rathaus und dessen ergreifendem Bekenntnis zu Berlin.
Die Mauer:
13. August 1961
Um Mitternacht beginnen Truppen der Nationalen Volksarmee, mit Sperranlagen aus Stacheldraht die Grenzen zum Westteil Berlins, den Sektoren der Westmächte Frankreich, Großbritannien und den USA, abzuriegeln. In der Folgezeit werden die Anlagen durch massive Mauern und tiefgestaffelte Zaunanlagen weiter ausgebaut. Die entsprechenden Beschlüsse des Ministerrats der DDR werden über Funk und Fernsehen veröffentlicht. Erschüttert und fassungslos sehen Berliner auf beiden Seiten dem Aufbau der Absperranlagen zu. Am Abend spricht der Regierende Bürgermeister Willy Brandt bei einer Protestkundgebung vor dem Abgeordnetenhaus von Berlin: "Der Senat von Berlin erhebt vor aller Welt Anklage gegen die widerrechtlichen und unmenschlichen Maßnahmen der Spalter Deutschlands, der Bedrücker Ost-Berlins und der Bedroher West-Berlins ..."
23. August 1961
Die DDR verbietet Berlinern aus dem Westteil der Stadt das Betreten von Ost-Berlin.
25. Oktober 1961
Am Checkpoint Charlie stehen sich amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber, nachdem DDR-Grenzer Angehörigen der US-Militärkommission den Zugang nach Ost-Berlin verweigert haben. Diese hatten abgelehnt, sich kontrollieren zu lassen, weil ihnen nach alliiertem Recht ungehinderte Bewegungsfreiheit in ganz Berlin zustand.
17. August 1962
Peter Fechter wird bei seinem Fluchtversuch angeschossen und verblutet am Fuße der Mauer an der Zimmerstraße. Der Name des 18jährigen ist seitdem ein Symbol für die Todesopfer an der Mauer und an der innerdeutschen Grenze zwischen 1961 und 1989.
23. bis 26. Juni 1963
Mit dem Ausruf "Ich bin ein Berliner" unterstreicht der amerikanische Präsident John F. Kennedy bei seinem Besuch in Berlin vor einer begeisterten Menschenmenge am Schöneberger Rathaus die Verbundenheit der Vereinigten Staaten von Amerika mit Berlin.
17. Dezember 1963
Die erste Passierscheinregelung gestattet zu Weihnachten 1963 erstmals wieder Besuche von West-Berlinern im Ostteil der Stadt.
9. September 1964
Rentner aus der DDR können wieder Verwandte in der Bundesrepublik und dem Westteil Berlins besuchen.
25. November 1964
In die DDR einreisende Bundesbürger und Berliner werden zum Mindestumtausch in Ostmark gezwungen.
3. Juni 1972
Mit Inkrafttreten des "Vier-Mächte-Abkommens über Berlin" bestätigen die Siegermächte ihre Rechte für Berlin; es verbessert die Lebensbedingungen der Berliner enorm. Neben Erleichterungen für den Berlinverkehr beschließen die Alliierten die Voraussetzungen für einen Gebietsaustausch zwischen West-Berlin und der DDR. Die Bindungen West-Berlins zur Bundesrepublik sollen aufrechterhalten und entwickelt werden. Mit diesem Abkommen garantiert die Sowjetunion den jederzeitigen freien Zugang nach West-Berlin.
12. Juni 1987
Der amerikanische Präsident Ronald Reagan fordert anläßlich einer Rede zur 750-Jahr-Feier am Brandenburger Tor: "Mr. Gorbatschow, open this gate. Mr. Gorbatschow tear down this wall."
Juli 1989
Ab diesem Monat steigt der Strom der Flüchtlinge aus der DDR über Ungarn nach Österreich rapide an. Bis zum 22. August erhöht sich die Zahl der in Österreich eingetroffenen Flüchtlinge auf 3500.
10. September 1989
Ohne Abstimmung mit der DDR-Führung gestattet die ungarische Regierung 6600 wartenden DDR-Bürgern ohne Visum die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland. Bis Ende September kommen mehr als 25000 DDR-Bürger über Ungarn in die Bundesrepublik.
In Leipzig beginnen später die zur Tradition werdenden Friedensgebete mit anschließender Demonstration.
30. September 1989
Nach intensiven innerdeutschen Verhandlungen dürfen Botschaftsflüchtlinge - ca. 5500 Menschen in Prag und Warschau - ausreisen.
7. Oktober 1989
Gorbatschow drängt bei seinem Besuch anläßlich der Gründungsfeierlichkeiten der DDR auf Reformen.
16. Oktober 1989
In Leipzig fordern 120000 Demonstranten Demokratie und freie Wahlen.
18. Oktober 1989
SED-Chef Erich Honecker tritt von allen Partei- und Staatsämtern zurück; sein Nachfolger wird Egon Krenz.
4. November 1989
Mehr als 500000 Menschen demonstrieren im Zentrum Ost-Berlins. Mit ihren Plakaten fordern sie freie Wahlen, Reisefreiheit und demokratische Neugestaltung; unter den 26 Rednern sind die Schriftsteller Christa Wolf, Stefan Heym, Christoph Hein sowie die Schauspielerin Steffi Spira.
7. November 1989
Am Abend wird ohne nähere Begründung der Rücktritt der gesamten Regierung der DDR bekanntgegeben.
8. November 1989
Das gesamte Politbüro der SED tritt zurück; am gleichen Tag wählt das Zentralkomitee der SED ein neues Politbüro, das den bisherigen SED-Sekretär des Bezirks Dresden, Hans Modrow, zum neuen Ministerpräsidenten nominiert.
9. November 1989
Auf einer Pressekonferenz über die Sitzung des Zentralkomitees der SED teilt Günther Schabowski eher beiläufig mit, daß Privatreisen ins Ausland beantragt werden können und die Genehmigungen kurzfristig erteilt würden. Danach strömen viele Ost-Berliner zu den Grenzübergängen. In den Abendstunden, gegen 23 Uhr 15, werden die Übergänge geöffnet. Begeisterte Berliner feiern in dieser Nacht den Fall der Mauer und das Wiedersehen in ganz Berlin.
13. November 1989
Hans Modrow wird von der Volkskammer zum neuen DDR-Regierungschef gewählt. Die Volkskammersitzung verläuft stürmisch. Zum ersten Mal kritisieren Abgeordnete verschiedener Parteien offen die alte DDR-Führung.
28. November 1989
Bundeskanzler Helmut Kohl plädiert in einem 10-Punkte-Plan für die Entwicklung konföderativer Strukturen zwischen beiden deutschen Staaten mit dem Ziel der Schaffung einer bundesstaatlichen Ordnung.
22. Dezember 1989
In der Anwesenheit von Bundeskanzler Kohl und DDR-Regierungschef Modrow wird das Brandenburger Tor geöffnet.
31. Dezember 1989
Über eine halbe Million Menschen feiern in der Silvesternacht am Brandenburger Tor.
5. Mai 1990
Beginn der Zwei-Plus-Vier-Gespräche in Bonn mit den Außenministern der beiden deutschen Staaten sowie jenen der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit.
3. Oktober 1990
Deutschland ist wiedervereinigt
Reichstag: Schauplatz bewegter Geschichte
An keinem anderen Gebäude in Deutschland lassen sich so eindrucksvoll die turbulente deutsche Geschichte, die Hoffnungen und Niederlagen der Demokratie nachzeichnen wie am Reichstagsgebäude. Am 9. November 1918 rief der sozialdemokratische Abgeordnete Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstags die "Deutsche Republik" aus. Damit markierte er den Beginn der demokratisch verfaßten Weimarer Republik. Keine 15 Jahre später signalisierte der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933, höchstwahrscheinlich durch die Nationalsozialisten angezettelt, das Ende der demokratischen Ära. Das Parlamentshaus war zerstört. Eine rote Fahne der Sowjetunion, gehißt am 30. April 1945 auf der Kuppel des stark umkämpften Reichstags, symbolisierte schließlich das Ende des Kriegsinfernos und den Sieg über das "Dritte Reich". Der Reichstag, nicht etwa die Reichskanzlei Hitlers, war für die Sowjetarmee militärisches Endziel des verhaßten Gegners. Die Fahnenszene wurde sogar nach Ende der Kriegstage am Ostgiebel des zerstörten Gebäudes für Fotografien nachgestellt.
Erneut in den Blickpunkt des Weltinteresses rückte der Reichstag am 9. September 1948, als während der sowjetischen Blockade West-Berlins Bürgermeister Ernst Reuter am Reichstag vor Hunderttausenden Berlinern seine berühmte Rede an die "Völker der Welt" hielt. Danach wurde es für Jahrzehnte still an dem geschundenen Gemäuer. Durch den Mauerbau 1961 geriet der Reichstag, an dessen Ostseite haarscharf die Sektorengrenze verlief, nun auch in eine städtische Randlage: ein Geschichtsdenkmal vor grüner Wiese, die von der Bevölkerung als Fußballplatz genutzt wurde. Das Haus selbst führte als Tagungsort und als Ort der
Ausstellung "Fragen an die deutsche Geschichte" ein kümmerliches Dasein. Am 3. Oktober 1990 wurde das verwaiste Monument schließlich Ort der Staatsfeier zur Wiedervereinigung Deutschlands.
Seinen größten und völlig unpolitischen Erfolg verbuchte der Reichstag im Sommer 1995. Zwei Wochen lang lockte die Verhüllung des Gebäudes mit gewebten silbernen Kunststoffbahnen Millionen von Menschen an. Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude nahm mit dieser einzigartigen Kunstaktion dem Wallot-Gebäude erstmals die historisch belastete Schwere, es verflüchtigte sich der letzte Hauch von nationalem Pathos. Das eingepackte Reichstagsgebäude badete in einer Woge der Popularität und war Mittelpunkt eines sommerlichen Volksfestes. Nach dieser freundlichen Zäsur rückten am 24. Juli 1995 die Bauarbeiter an.
Der Potsdamer Platz früher
Ein richtiger Platz war er nie, vielmehr ein fünfeckiger Verkehrsknoten auf der alten Reichsstraße 1, die Königsberg und Aachen verband. Seinen Namen erhielt der "Platz vor dem Potsdamer Thore" von dem in Richtung Potsdam gelegenen Stadttor in der alten Berliner Stadtmauer. 1823/24 durfte Berlins größter Baumeister Karl Friedrich Schinkel das Potsdamer Tor neu gestalten, samt jenen so berühmten Torhäuschen. Die Akzisemauer wurde 1867 endgültig abgebrochen. Doch die Schinkel-Häuschen durften als Zierat stehenbleiben und prägten den Platz bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.
Hier wurde 1838 der Potsdamer Fernbahnhof gebaut. Am 29. Oktober rollte der erste Zug nach Zehlendorf, später ging es bis nach Potsdam. Der Potsdamer Platz wandelte schnell sein Gesicht. 1895 wurden 20 000 "Fahrzeuge" gezählt. Ab 1907 verband Berlins erste U-Bahn-Linie das Stralauer Tor im Osten mit dem Potsdamer Platz im Westen. Hotels und Vergnügungsstätten wurden in schneller Folge auf den alten Parzellen hochgezogen: zunächst das "Grand-Hotel Bellevue" und das "Palast-Hotel", beide nach Plänen des Architekten Ludwig Heim, später der "Fürstenhof" von Bielenberg & Moser, das Pschorr-Bräu von Johann Emil Schaudt und das berühmte Café Josty, in dem sich stets bedeutende Schriftsteller und Künstler trafen.
1911/12 schließlich stellte Franz Schwechten das "Haus Potsdam" mit dem berühmten "Café Picadilly" fertig, das 1914 "aus patriotischen Gründen" in "Haus Vaterland" umbenannt wurde und (zunächst unter Leitung der Ufa, später Kempinskis) zu Deutschlands größtem Amüsierpalast avancierte. Abend für Abend suchten dort (an der heutigen Ecke Stresemann- und Köthener Straße) mehr als 3000 Gäste in einem Dutzend unterschiedlicher Säle Entspannung und Zerstreuung.
Ein anderes Haus am Potsdamer Platz wiederum verkörperte damals den unbedingten Fortschrittswillen Berlins: Im Vox-Haus schlug 1923 die Geburtsstunde des deutschen Rundfunks. Der Architekt Otto Rudolf Salvisberg hatte das Gebäude während der großen Inflation zum Funkhaus ausgebaut. Das erste Hörfunk-Studio war gerade mal 25 Quadratmeter groß.
Eine ganz andere technische Neuerung veränderte den Potsdamer Platz am 20. Oktober 1924 nachhaltig. Der städtische Knotenpunkt war inzwischen dermaßen überlastet, das Überqueren der Straßen so lebensgefährlich geworden, daß auf der Platzmitte nach einem Entwurf Jean Krämers ein fünfeckiger Verkehrsturm mit einer Uhr und der ersten Ampelanlage Berlins installiert wurde. Vorbild war ein Signalturm, der zwei Jahre zuvor an der Fifth Avenue in New York aufgestellt worden war. 1926 galt die Ampel zwar bereits als technisch überholt, doch als Fotomotiv blieb sie bis nach den Olympischen Spielen von 1936 stehen. Dann mußte der Turm dem Tunnel der Nord-Süd-Bahn weichen.
Doch seit Herbst 1997 befindet sich unmittelbar vor der Info-Box wieder eine Replik des alten Wahrzeichens und erinnert an die glorreichen Zeiten, als Berlins verkehrsreichster Platz zugleich quirliger Mittelpunkt Europas war - ein Geschenk des Siemens-Konzerns anläßlich des 150jährigen Firmenjubiläums. Wenn die Bauarbeiten am Potsdamer Platz einmal abgeschlossen sind, soll die Eisenkonstruktion vor dem künftigen Regionalbahnhof ein Ehrenplätzchen finden.
Die Relikte des alten Potsdamer Platzes
Was ist übriggeblieben vom alten Potsdamer Platz, wo sich neben S- und U-Bahn einst auch 26 Straßenbahn- und fünf Buslinien kreuzten?
Von den Gebäuden hingegen hat eigentlich nur eines Krieg und deutsche Teilung leidlich überstanden: das "Weinhaus C. Huth & Söhne" an der alten Potsdamer Straße 5, Ecke Linkstraße. Im Jahre 1912 hatten es die Architekten Heidenreich und Michel für 1,5 Millionen Mark errichtet, ebenfalls in Stahlskelettbauweise, weshalb es auch tapfer den Bomben standhielt und sein Inhaber Willy Huth es nach dem Kriege wieder einigermaßen ansehnlich instand setzen konnte.
Fragmentarisch erhalten geblieben ist außerdem der Torso des ehemaligen Grand-Hotels "Esplanade" an der Bellevuestraße. Wie das Weinhaus Huth lag auch der 1906/08 nach Plänen von Otto Rehnig entstandene Hotelkomplex nach dem Krieg als Mauerblümchen im Abseits, ebenfalls auf der Westseite des Grenzstreifens.
Richtig für Schlagzeilen sorgte das Esplanade jedoch erst wieder, als 1996 ein kurioser Denkmalstreit um den "Kaisersaal" - so benannt, weil dort Kaiser Wilhelm II. seine Herrenabende abzuhalten pflegte - entbrannte. Für mehr als fünf Millionen Mark mußte Sony den Prunksaal im Stück auf Luftkissen "translozieren", also in Zeitlupentempo von der linken auf die rechte Seite des Mitteltrakts verschieben lassen. 1300 Tonnen schwer, 11 mal 18 Meter groß und 12 Meter hoch, trat der Kaisersaal eine regelrechte Weltreise von 75 Metern an, um nun in einer neuen Epoche als Relikt der Belle-Epoque-Grandezza wieder aufgemöbelt und für die Öffentlichkeit zum Restaurant hergerichtet zu werden.
Potsdamer Platz heute:
1990er Jahre Architekten: Renzo Piano, Christoph Kohlbecker (Masterplan und Einzelbauten), Arata Isozaki/Steffen Lehmann, Hans Kollhoff, Lauber + Wöhr, José Rafael Moneo, Richard Rogers 1994-99
So mancher Zweifler reibt sich verwundert die Augen: Die Rechnung der Stadtplaner ist aufgegangen. Die Sehnsucht nach städtischem Leben, die von den überdimensionierten Blöcken und rechtwinkligen Straßenschluchten der Friedrichstadt nicht erfüllt werden, treibt die Berliner in Scharen an den Potsdamer Platz- in die Cafés, Kinos und die große Einkaufspassage der neuen Daimler-City. Auf 6,8 Hektar entstand zwischen Potsdamer Platz und Reichpietschufer ein ganz neues Stadtviertel.
Den Masterplan entwarfen die Wettbewerbssieger Renzo Piano und Christoph Kohlbecker, für die detaillierte Ausarbeitung und die architektonischen Entwürfe wurden fünf weitere Architekten(-teams) hinzugezogen. Dies sicherte dem Viertel einerseits eine gewisse Homogenität, andererseits architektonische Vielfalt.
Vom Potsdamer Platz aus betritt man das Viertel wie durch ein Stadttor: Zwei Hochhäuser von Piano/Kohlbecker (links) und Hans Kollhoff (rechts) fassen die Alte Potsdamer Straße ein, die hier ihren Vorkriegsverlauf wiederaufnimmt. Rechter Hand folgen die Baublöcke von Lauber + Wöhr und José Rafael Moneo (Hotel Hyatt), links das Weinhaus Huth, der einzige erhaltene Altbau, und die Einkaufspassage, die von Bauten von Piano/Kohlbecker und Richard Rogers (zur Linkstraße hin) gesäumt wird.
"Stadtteilzentrum" ist der Marlene-Dietrich-Platz, den der Doppelbau der Spielbank und des Musicaltheaters mit seinem großen Dach (Piano/Kohlbecker) beherrscht. Von Piano und Kohlbecker stammt auch die Debis-Zentrale am Landwehrkanal. In der Mitte des 163 Meter langen Baublocks erstreckt sich das glasgedeckte Atrium, dessen Randbebauung in drei Stufen um jeweils ein Geschoß ansteigt und so allmählich zum Hochhaus als Kopfbau hinleitet. Diesem 85 Meter hohen gläsernen "Büroturm "ist auf der Süd-und der Westseite zur Energieeinsparung eine zweite Fassade vorgehängt.
(Zeitgenössische Moderne) Architekt: Helmut Jahn 1996-99
Ähnlich wie in der Nachkriegszeit Hans Scharoun und Ludwig Mies van der Rohe stehen heute Frank O. Gehry und Helmut Jahn für zwei ganz unterschiedliche Architekturauffassungen.
Helmut Jahn, gebürtiger Nürnberger und seit den sechziger Jahren in Chicago ansässig, gilt als Exponent genau jener kommerziellen Architektur, gegen die Frank Gehrys "Dekonstruktivismus" opponiert: gläserne Hochhaus-Riesen, rentabilitätsoptimierte Bürokästen, überdimensionale Einkaufszentren. Doch Jahn wäre nicht so gefragt, wenn er nur ein guter Ingenieur wäre. Seine Gebäude heben sich wohltuend aus der Masse der "Gebrauchsarchitektur" heraus, sofern man seinen Stil grundsätzlich mag.
Jahns wichtigstes Berliner Projekt ist das Sony Center am Potsdamer Platz, ein stahl-und glasdominiertes Ensemble aus sieben Einzelbauten. Hier finden sich Büros, Wohnungen, Kinos und Gastronomie, ein "Filmhaus" und die Sony-Europazentrale. Den Mittelpunkt des dreieckigen Areals bildet das ovale "Forum", das sich als Teil des öffentlichen Stadtraumes versteht und daher nicht von den umliegenden Straßen separiert ist. Eine spektakuläre Ingenieursleistung ist die Dachkonstruktion: Das aufgefächerte Zeltdach aus Stoffbahnen ist mit Zugankern an dem Stahlring befestigt, der auf den umliegenden Gebäuden aufliegt. Markantester Bauteil ist das gläserne Hochhaus, mit 103 Metern höchstes Haus am Platz.Es rundet das Sony Center zum Potsdamer Platz hin ab, indem sich die halbkreisförmige Südfassade nach oben hin vor die östliche Schmalseite schiebt.
Das gläserne Sony Center kontrastiert reizvoll mit der "steinernen" Debis-Stadt. Allerdings sind beide "Stadtteile" stark nach innen ausgerichtet - die Neue Potsdamer Straße ist mehr Grundstücksgrenze als urbane Hauptschlagader.
Alexanderplatz :
Nachkriegsmoderne Ost Erbaut von verschiedenen Kollektiven 1961-73
Der Alexanderplatz, so genannt seit dem Besuch Zar Alexanders I. 1805, hatte sich noch bis in die Mitte des 19. Jh. seinen vorstädtischen Charakter bewahrt. Hier wurden die Viehmärkte abgehalten, und die nahe liegenden Kasernen nutzten das Areal als Exerzier- und Paradeplatz.
Erst mit dem Bau der S-Bahn 1882, der Zentralen Markthalle 1886, dem Kaufhaus Tietz 1904-11 und der U-Bahn seit 1913 entwickelte sich der "Alex" zum wichtigsten Verkehrs- und Einkaufszentrum für die östlichen Stadtteile Berlins. Sein Wahrzeichen war die bronzene "Berolina". Durch den Ausbau des U-Bahn-Netzes und das tägliche Verkehrschaos wurde 1928 die Umgestaltung des Platzes angeregt. In seiner Mitte entstand ein Kreisverkehr, die Neubebauung nach Plänen von Peter Behrens konnnte jedoch nur in der westlichen Hälfte realisiert werden.
Seine heutige Gestalt erhielt der Alexanderplatz nach den verheerenden Kriegszerstörungen erst ab den 60er Jahren. Der Platz wurde um ein Vielfaches vergrößert und verlor seinen geschlossenen Charakter zugunsten einer amorphen und ausufernden Brache. Das Kerngebiet wurde zur Fußgängerzone, der Verkehr wird über vielspurige Straßen um den Platz herumgeführt.
Nach der Wiedervereinigung herrschte unter West-Berliner Entscheidungsträgern über die (nicht vorhandenen) städtebaulichen Qualitäten Einigkeit - ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, dessen Siegerentwurf (Hans Kollhoff) den Abriß eines Großteils der heutigen Bebauung und die Errichtung von 13 Hochhäusern vorsieht. Doch ob das Projekt jemals realisiert wird, steht in den Sternen. Jenseits aller Geschmacksfragen muß man jedoch konstatieren, daß der Alexanderplatz der mit Abstand monumentalste innerstädtische Platz in Deutschland ist. Und auch das ist eine Qualität.
Berliner Dom:
Historismus Erbaut von: Julius Raschdorff 1894-1905
Die Geschichte des Berliner Doms reicht bis ins Mittelalter zurück. 1469 wurde an der Schloßkapelle ein Domstift gegründet, das 1536 an die Kirche des aufgelösten Dominikanerklosters südlich des Schlosses verlegt wurde. Doch auch dieser Bau, vom Kurfürsten zur Familiengrablege bestimmt, mußte 1747 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Johann Boumann errichtete am heutigen Ort ein schlichtes Gotteshaus mit Tambourkuppel, das Schinkel 1817-22 umbaute. Es blieb jedoch architektonisch unbefriedigend. Schinkel selbst legte schon 1828 neue Pläne nach Art einer fünfschiffigen Basilika frühchristlicher Form vor.
1842 begonnene Arbeiten nach einem Entwurf von Stüler wurden 1848 eingestellt. Nun entwarf Stüler das Modell eines riesigen Kuppelbaus mit vier Türmen, der mit 48 Metern Spannbreite die Höhe des Petersdoms in Rom erreicht hätte - vergeblich. Ein Wettbewerb 1867 scheiterte, da die Jury keinen Entwurf für angemessen hielt.
Erst 1888 kam durch Julius Raschdorff, Architekturprofessor an der TH Charlottenburg, wieder Leben in die Sache. Sein Plan sah drei nebeneinanderliegende Zentralräume mit Tambourkuppeln und einem riesigen Turm vor. Eine gedeckte Brücke sollte Dom und Schloß verbinden. Auch dieser Entwurf scheiterte, doch der neue Kaiser Wilhelm II. ermunterte Raschdorff zu einem neuen Vorschlag, der in deutlich reduzierten Maßen schließlich verwirklicht wurde - entgegen den Einwänden der Bauakademie, der Dombaukommission und des Domkirchenkollegiums, die ihn aus stilistischen, liturgischen und akustischen Gründen ablehnten. Doch der Kaiser setzte sich über alle Kritik hinweg und erreichte vom Landtag eine Zuschußbewilligung von 10 Millionen Mark. 1894 wurde der Grundstein gelegt, 1905 fand die Einweihung statt.
1944 schwer beschädigt, konnte die Hauptkirche erst 1993 wieder in Benutzung genommen werden.
Brandeburger Tor:
Klassizismus Erbaut von: Carl Gotthard Langhans 1789-91 Quadriga von Gottfried Schadow
Die Lage des Tors sei "in ihrer Art ohnstreitig die schönste von der ganzen Welt" und daher habe er "zum Modelle" die Propyläen der Athener Akropolis genommen, schreibt Carl Gotthard Langhans zu seinem Entwurf, der 1789-91 realisiert wurde. Das heutige Wahrzeichen der Stadt war nur eines von insgesamt 18 Stadttoren, deren Lage und Namen noch oft im Stadtplan abzulesen sind. Doch es war mit Abstand das aufwendigste - die meisten bestanden nur aus zwei einfachen Torpfeilern. Es wurde im Jahr der Französischen Revolution begonnen und bedeutete die erste Hinwendung in der Berliner Baugeschichte zu antiken griechischen Vorbildern - aus Berlin wurde allmählich "Spree-Athen". Ursprünglich schloß das Tor mit seinen winkelförmigen Seitentrakten (den Wachhäusern) an die Stadtmauer an, doch als diese 1867/68 abgerissen wurde, schuf man Fußgängerdurchgänge in den Seitenhallen und setzte ihren bis dahin schmucklosen Westfronten Säulenhallen vor.
Das Tor hat fünf durch Mauern getrennte, elf Meter tiefe Durchfahrten, deren Stirnen von dorischen Säulen verdeckt werden. 1807 wurde die Quadriga von Napoleon nach Paris entführt, 1814 jedoch im Triumphzug zurückgeholt. Somit zum Symbol des Sieges in den Freiheitskriegen geworden, fügte Schinkel in den Kranz auf dem Stab der Siegesgöttin das Eiserne Kreuz ein. Nach den Kriegsbeschädigungen in den 50er Jahren wiederhergestellt und mit neu getriebener Quadriga versehen (1990/91 erneut restauriert), stand das Tor von 1961 bis 1989 im Niemandsland hart an der Mauer zu West-Berlin.
Ursprünglich war es in die geschlossene Bebauung des rechteckigen Pariser Platzes eingebunden, die aber im und nach dem Zweiten Weltkrieg bis auf die Reste der Akademie der Künste verschwand. Seit 1995 ist nun der Wiederaufbau des Pariser Platzes in seinen historischen Abmessungen im Gange. Die ehemals seitlich angrenzenden Wohnhäuser, das Haus des Malers Max Liebermann im Norden und das Haus Sommer im Süden, wurden in vereinfachter historisierender Form (von J.P.Kleihues nach dem Vorbild August Stülers) wiederaufgebaut.
Checkpoint Chralie:
Der Checkpoint Charlie am Südende der Friedrichstraße war bis zur Wende alliierter Kontrollposten an der Bezirksgrenze zwischen Mitte und Kreuzberg. Hier war von 1961 bis 1990 die einzige Übergangsstelle für Alliierte, Ausländer und Mitarbeiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland sowie für DDR-Funktionäre.
Nach Öffnung der Sektorengrenze am 9. November 1989 wurde der Kontrollpunkt am 22. Juni 1990 abgebaut. Nicht lange danach steckten die Investoren ihre Baufelder auf dem Gelände ab. Das wohl bemerkenswerteste Bauwerk ist das 1997 fertiggestellte eine Milliarde Mark teure American Business-Center an der Friedrichstraße 200 nach Entwürfen von Philip Johnson. In unmittelbarer Nähe entstand das sehenswerte Karree Schützenstraße nach Entwürfen von Aldo Rossi.
Fernsehturm:
Nachkriegsmoderne Ost Erbaut vom Kollektiv Günther Kollmann u.a. 1965-69 Umbauung: Kollektiv Walter Herzog u.a. 1969-72
Eigentlich ein merkwürdiger Gedanke, einen 365 Meter hohen Fernsehturm mitten ins Stadtzentrum zu stellen. So ungewöhnlich, daß der Berliner Turm bis heute der einzige so zentral gelegene in Europa ist, wenn nicht sogar weltweit. Man hat sich mittlerweile mehr als nur an ihn gewöhnt - der Turm wurde schnell zum Stolz der Ost-Berliner und ist heute unumstritten eines der Wahrzeichen der Gesamtstadt. Wohl kaum ein Berliner findet ihn dort deplaziert.
Die Idee zu einem Fernsehturm wurde aus der Notwendigkeit heraus geboren, für den Ostteil der Stadt eine eigene Antennenanlage zu errichten. Verschiedene Projekte außerhalb der Stadt hatten sich zerschlagen, und als auch noch das am Ort des gesprengten Schlosses geplante Hochhaus im zeittypischen "Zuckerbäckerstil" á la Moskau und Warschau obsolet geworden war, entschloß man sich zu diesem ungewöhnlichen Bauvorhaben. Realisiert wurde es in den Jahren 1965-69 vom Kollektiv Günther Kollmann.
Die Höhe hatte, so geht die Legende, Walter Ulbricht festgelegt, damit jedes Schulkind sie sich merken könne: 365 Meter, so viele wie das Jahr Tage hat. Er wurde zum damals zweithöchsten Turm Europas, nur noch übertroffen vom Moskauer Fernsehturm. Der Stahlbetonschaft reicht bis in 250 Meter Höhe, darüber erhebt sich ein rot-weiß gestreifter Stahlmast. 1997 wurde das obere Ende abgetragen und durch eine um drei Meter höhere Spitze ersetzt.
Die Turmkugel enthält sieben Geschosse, zwei von ihnen sind für den Publikumsverkehr geöffnet: das Aussichtsgeschoß in 203 Meter Höhe und darüber das Telecafé, dessen Außenring mit den Tischen sich einmal pro halbe Stunde um die eigene Achse dreht.
Funkturm:
Klassische Moderne Erbaut von: Heinrich Straumer 1924-26
Der Funkturm ist eines der Wahrzeichen Berlins, seit er 1926 anläßlich der 3. Deutschen Funkausstellung feierlich eröffnet wurde. Trotz seiner aus heutiger Sicht geringen Höhe von 138 Meter (mit Antenne 150 Meter) erregte er bei seinem Bau viel Aufsehen. Denn während der Eiffelturm für 300 Meter Höhe eine Bodenfläche von 129 mal 129 Meter benötigt, kommt der Funkturm mit nur 20 mal 20 Metern aus. Das Verhältnis von Grundfläche zur Höhe beträgt beim Eiffelturm 1:2,3, beim Funkturm 1:6,9 - ein Wert, den nur Stahlbetontürme übertreffen.
Die nur 400 Tonnen schwere Stahlkonstruktion trägt in 55 Meter Höhe auf zwei Geschossen eine um 5 Meter auskragende Kanzel mit einem Restaurant. In 125 Metern Höhe befindet sich die Aussichtsplattform. Seit 1963 wird der Sendemast auf der Turmspitze nur noch für den Polizeifunk genutzt.
Das Messegelände, in das der Funkturm heute eingebettet ist, geht auf eine Planung von Martin Wagner und Hans Poelzig aus dem Jahr 1928 zurück. Sie sah eine ringförmige Anlage der Messehallen vor, um diese auch bei Regen trockenen Fußes besichtigen zu können. Ein ovales Messegebäude sollte mit dem gegenüberliegenden Haus des Rundfunks korrespondieren. Statt dessen entstand 1934-36 nach Plänen von Richard Ermisch eine 35 Meter hohe Ehrenhalle mit Vorbau, die von zwei 100 Meter langen Hallentrakten eingefaßt ist. Ihre Fassaden nehmen die Vertikalität des gegenüberliegenden Funkhauses auf, übertragen dessen Expressivität jedoch in starre Monumentalität. Ermischs Gesamtplan wurde nie verwirklicht; ein Großteil der Messehallen wie auch die älteren Hallen am Ort des heutigen Omnibusbahnhofs (von 1914 und 1924) wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Das heutige Messegelände stellt sich in einer Vielzahl verschiedenster Konstruktionen, Stile und Materialien dar.
Hackische Höfe:
Historismus/Jugendstil Erbaut: 1905-07 von Kurt Berndt, August Endell Fassade verändert
Vor dem Spandauer Tor hatte sich bis etwa 1700 die dicht besiedelte Spandauer Vorstadt gebildet, die 1712 mit der Sophienkirche ihr eigenes Gotteshaus erhielt. 1732-34 ließ Friedrich Wilhelm I. eine neue Stadtmauer um das nun wesentlich erweiterte Stadtgebiet ziehen, und die einstigen Vorstädte wurden zu Stadtteilen. Die alten Festungsanlagen verschwanden, vor dem Spandauer Tor ließ Stadtkommandant Graf von Hacke einen Markt anlegen.
Als das Viertel um die Jahrhundertwende vom wirtschaftlichen Aufschwung erfaßt und zur repräsentablen Adresse wurde, erwarb ein Mann namens Quilitz die Grundstücke Rosenthaler Straße 40 und 41 sowie Sophienstraße 6, ließ die Gebäude abreißen und einen Komplex mit acht Hinterhöfen errichten, den größten in Europa. Restaurants und Gewerbe, Geschäfte und Wohnungen sollten entstehen, eine bunte Mischung, die sich gut vermieten ließe. Die Ausgestaltung des ersten Hofs übernahm August Endell, der ihn zu einem Schmuckstück des Jugendstils machte. Auch schuf er zwei Festsäle für das Weinlokal Neumann, von denen leider nur einer erhalten ist und heute vom Chamäleon Varieté genutzt wird. Im rückwärtigen Teil des Restaurants Hackescher Hof ist noch die originale Deckengestaltung erhalten.
Die Hackeschen Höfe wurden tatsächlich eine bunte Melange verschiedenster Dienstleister, Fabriken und Läden. Die Wohnungsmieter waren Kaufleute und Fabrikbesitzer, Beamte und Gastwirte und auch ein Oberkantor. 1916 bezog der Jüdische Mädchenclub sein Domizil, letzter Besitzer vor dem Krieg war der jüdische Kaufmann Jacob Michael. Frisch saniert, sind die Hackeschen Höfe derzeit einer der lebendigsten Orte Berlins - ob bei Tag oder Nacht. Während die Höfe originalgetreu restauriert wurden, hat man die Fassade zum Hackeschen Markt modernisiert, vor allem der rundbogige obere Abschluß entspricht weder dem Ursprungs- noch dem langjährigen Vorsanierungszustand.
KaDeWe:

Das Kaufhaus des Westens, kurz: KaDeWe, wurde 1907 westlich von Berlin eröffnet, denn dieses Gebiet war Teil der Stadt Charlottenburg, damals außerhalb Berlins gelegen und erst 1920 eingemeindet. Heute liegt das KaDeWe im Bezirk Schöneberg, die Bezirksgrenze verläuft entlang der Nürnberger Straße. Das KaDeWe hat zum neunzigjährigen Jubiläum noch einmal erweitert und ist heute mit über 60000 Quadratmetern Verkaufsfläche das größte Kaufhaus Europas. Es hat sogar Harrod's in London hinter sich gelassen. Nur das GUM in Moskau ist größer, aber eben kein reines Warenhaus. Sehenswert sind im KaDeWe unter anderem die riesige Feinkostabteilung im sechsten Stock oder der Wintergarten mit Berlins bestem Selbstbedienungsrestaurant und Ausblick bis zur Reichstagskuppel.
Das KaDeWe, dank Um- und Verbindungsbauten heute das größte Warenhaus Europas, ist das letzte der großen Berliner Vorkriegswarenhäuser. Die berühmtesten wurden zerstört, andere sind nicht mehr in ihrer alten Funktion zu erkennen. Nach den jüngsten Umbauten zeigt sich das KaDeWe, 1906-07 von Johann Schaudt errichtet, als weitgehend ungegliederter Block mit Mittelrisaliten. Über fünf Geschossen und zwei weiteren, die hinter dem ursprünglichen Dachgesims zurückspringen (aufgesetzt 1930), erhebt sich das dominierende Walmdach.
Kaiser-Wilhelm-Gedächniskirche:
Historismus/Nachkriegsmoderne West Erbaut von Franz Schwechten 1891-95 und Egon Eiermann 1959-63
Als "hohler Zahn" wurde sie zum Symbol des aus Ruinen auferstandenen West-Berlin, vor ihrer Zerstörung war sie das Wahrzeichen des vornehmen und vergnügungssüchtigen "Neuen Westens": die Gedächtniskirche, wie sie verkürzt genannt wird, errichtet 1891-95 zur Erinnerung an den ersten deutschen Kaiser Wilhelm I., initiiert von seinem Enkel Wilhelm II. Franz Schwechten, königlicher Oberbaurat und u.a. Architekt des Anhalter Bahnhofs, entwarf einen kreuzförmigen, vieltürmigen Bau im Stil der rheinischen Spätromanik. Der Turm über der Hauptfassade war mit 113 Metern der höchste der Stadt, die Innenausstattung außergewöhnlich prächtig.
Nach der Kriegszerstörung sollte ursprünglich im Inneren der Ruine eine Glaskirche entstehen, doch ließ man den Plan bald wieder fallen. Statt dessen wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, den Egon Eiermann mit seinem Entwurf eines völligen Neubaus gewann. Doch der hohle Zahn war bereits zum Wahrzeichen geworden, die Pläne setzten die größte und leidenschaftlichste Architekturdebatte der Berliner Nachkriegsgeschichte in Gang. Selbst Walter Gropius schaltete sich ein und sprach von "Deutschlands schönster Ruine".
Eiermann ließ sich zu einem Kompromiß überreden, wenn auch nicht überzeugen. Erhalten blieb der 68 Meter hohe Torso des Turmes (als Ausstellungsraum genutzt), der von einem vierteiligen Neubauensemble in die Mitte genommen wird. Vor das alte Hauptportal plazierte Eiermann den Kirchenbau, an die Stelle des einstigen Kirchenschiffs den Glockenturm. Die ganze Anlage steht auf einem erhöhten Podest, aus dem zu beiden Seiten die flachen Nebengebäude der Gemeindekapelle und des "Foyers" hervorstoßen.
Pariser Platz:

Der etwa 1,5 Hektar große Pariser Platz an der Ostseite des Brandenburger Tors war von 1945 bis zur Vereinigung Teil der Sektorengrenze zwischen Ost und West. Seit dem Mauerfall ist der ehemals gesperrte Platz wieder für Fußgänger frei zugänglich und zugleich eine prominente Adresse für Investoren.
Der quadratische Platz wurde 1734 angelegt und mit Palais bebaut. Dort wohnten im 19. Jahrhundert der Dramatiker August von Kotzebue, der preußische Staatsminister Friedrich Karl von Savigny und der Komponist Giacomo Meyerbeer. Ab 1893 hatte auch Max Liebermann neben dem Brandenburger Tor sein Zuhause. Der Dichter der Romantik Achim von Arnim wuchs am Pariser Platz auf. Auch die französische und die amerikanische Botschaft waren hier. Von 1829 bis 1833 baute Schinkel für Wilhelm Friedrich Redern ein Palais, das jedoch bereits 1905 wieder abgerissen wurde.
Und eine Legende stand und steht mittlerweile wieder hier: das Hotel Adlon, erstmals 1905 errichtet. Zu seiner Neueröffnung im Sommer 1997 standen die Schaulustigen Schlange, um einen Blick in die traditionsreiche Luxusherberge zu werfen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Platz komplett zerstört. Erhalten blieb ein Hintergebäude des Adlon, das später von der DDR-Akademie der Künste genutzt wurde. Das Gebäude wird nun nach Plänen von Günter Behnisch mit Glas komplettiert. Rechts daneben entsteht das Gebäude der DG Bank nach Entwürfen von Frank O. Gehry: hinter schlichten Fassaden lichte moderne Architektur. Südlich vom Brandenburger Tor wächst die US-Botschaft, auf der Nordseite entstehen zwei Gebäude nach Plänen von Josef Paul Kleihues für die RheinHyp-Bank und die Industriellenfamilie Quandt, die das einst dort stehende Gebäude Max Liebermanns nachbauen läßt. Das Ensemble um den Platz komplettieren die Bauten der Dresdner Bank, der Allgemeinen Hypothekenbank, das Wohn- und Geschäftshaus der Merkur Grundstücks GmbH und die Französische Botschaft. Und die Engländer wollen schließlich auch noch in die Nähe ihrer alliierten Kollegen ziehen: Sie bauen an der Rückseite des Adlon die britische Botschaft.
Reichstagsgebäude:
"Sitz des Deutschen Bundestages ist Berlin." Mit einer knappen Mehrheit von nur 18 Stimmen votierte der Bundestag am 20. Juni 1991 im Bonner Wasserwerk für diesen Beschluß. Damit gaben 338 Abgeordnete das Signal zum Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin. Am 19. April 1999, mit der ersten regulären Sitzung des gesamtdeutschen Parlaments im Berliner Reichstagsgebäude, wurde das politische Versprechen eingelöst.
Vor der Wiederbelebung des monumentalen Gebäudes nördlich des Brandenburger Tores mußte sich das über hundertjährige Gemäuer einer dreieinhalbjährigen Roßkur unterziehen. Mit rund 600 Millionen Mark baute der Bundestag das verwaiste Parlamentshaus nach den Plänen des britischen Architekten Sir Norman Foster in ein modernes Plenargebäude um.
Die neue Kuppel
In 40 Meter Höhe hat Foster dem neuen Reichstagssymbol eine Aussichtsplattform eingepflanzt. Wer den Gipfel erklommen hat, ist benommen vom Ausblick auf die Berliner Innenstadt rund um das Brandenburger Tor bis hin zu Potsdamer Platz und Gedächtniskirche.
Über zwei spiralförmige Rampen gelangt man von der Dachterrasse des Reichstagsgebäudes auf die 40 Meter hohe Aussichtsplattform im Innern der Kuppelspitze. 230 Meter luftige Wegstrecke sind zu überwinden, will der Souverän den Politikern "aufs Dach" steigen. Gehalten werden die beiden Rampen durch das Stahlskelett der im Durchmesser 40 Meter messenden Kuppel. 24 senkrechte Rippen und 17 horizontale Ringe bilden den Baukörper. Im Zentrum der Kuppel befindet sich in Form eines karottenförmigen Zylinders ein hochkomplexes Lichtumlenk-System. Mit 360 Einzelspiegeln verkleidet, sorgt es für helles Licht in dem zehn Meter tiefer gelegenen Plenarsaal. Schattenelemente mildern allzu starke Sonneneinstrahlung ab. 24 Meßstellen überprüfen den Stand dieser Schutzelemente. Neben der Belichtung sorgt der Zylinder auch für die Belüftung der Debatten. Die verbrauchte Luft wird über eine Abluftdüse - durch thermische Aufwinde - nach oben geleitet und entweicht dort über eine zentrale Öffnung der Kuppel.
Die 3000 Quadratmeter große Kuppelaußenhaut besteht aus durchsichtigen Glaslamellen. Die Montage der Parlamentskrone nahm bis zum September 1998 rund 16 Monate in Anspruch. Das technische Meisterwerk ist 23,5 Meter hoch. Mit der neuen Dachkrone ragt das Reichstagsgebäude insgesamt 47 Meter in den Himmel. Ein bescheidenes Ausmaß gegenüber den 74,16 Metern mit der alten Wallot-Kuppel. Nachts beleuchtet, ist die transparente Kuppel von Foster zu einem Wahrzeichen des neuen Berlin geworden.
Der Innenausbau
Der am 24. Juli 1995 begonnene Umbau des Reichstags hatte im Innern eine radikale Veränderung zur Folge. Bei der vollständigen Entkernung wurden sämtliche Einbauten des Architekten Paul Baumgarten aus den Jahren 1961 bis 1969 entfernt.
Die innere Organisation des Parlamentes gliederte Foster horizontal: In Keller und Erdgeschoß ist die gesamte Haustechnik und Gebäudeversorgung untergebracht. Im Norden und Süden des Hauses befinden sich Zugänge und Treppenhäuser für die Parlamentarier. Auch gibt es einen unterirdischen Fußgängertunnel zwischen der Ostseite und den künftigen Abgeordnetenhäusern jenseits des Ebertplatzes. Durch das Hauptportal an der Westseite des Reichstags gelangen die Abgeordneten direkt in den Plenarbereich mit der Lobby im ersten Geschoß. Der 1200 Quadratmeter messende Plenarsaal, der damit doppelt so groß ist wie das alte Plenum von 1894, liegt im Zentrum des Hauses und ist rundum verglast, so daß Durchblicke bis nach draußen möglich sind.
Über drei Geschosse reicht der Plenarsaal, in den die Spitze des Kuppellichtzylinders ragt. Die Abgeordneten sitzen in elliptischer Anordnung mit Blick Richtung Osten - so wie einst im historischen Reichstag. Für Besucher, die ebenfalls durch das imposante Hauptportal kommen, wurde eigens ein Zwischengeschoß eingebaut, über welches die Tribünen im Plenum erreicht werden.
Neben dem zentralen Plenarsaal sind im Reichstagsgebäude zahlreiche Arbeitsräume für die Bundestagsführung und die Parteien untergebracht. Die Räume für den Bundestagspräsidenten, das Präsidium, den Ältestenrat und die Verwaltungsleitung liegen im zweiten Geschoß der Außenflügel. Fraktionssäle und die Presselobby befinden sich im dritten Geschoß, dem obersten Stockwerk.
Gekrönt wird das Gebäude mit seinen zwei Innenhöfen von einer jedermann zugänglichen, 24 Meter hoch gelegenen Dachterrasse, die auch ein Restaurant beherbergt. Dem Architekten Foster war es sehr wichtig, daß Besucher auf das Dach des Reichstags gelangen können.
Durch den Abriß der Baumgarten-Einbauten wurde nicht nur die historische Raumhöhe des Gebäudes wiederhergestellt. Auch russische Inschriften der Roten Armee aus den Maitagen 1945 kamen wieder zum Vorschein. Ausgewählte Schriftzüge aus Holzkohle oder Kreide blieben als Zeugnis des Krieges beispielsweise im südlichen Treppenhaus erhalten. In kyrillischer Schreibart ist etwa "Gitler kaputt!", "Sergej und Jurij waren hier!", "Kaukasus-Berlin" oder "Wir haben hier gekämpft" zu lesen.
Weitgehend instandgesetzt wurden die erhaltenen Spuren aus der Entstehungszeit des Reichstagsgebäudes, das zehn Jahre lang, zwischen 1884 und 1894, erbaut wurde: alte Säulen, historische Treppenhäuser, Wandschmuck und Steinmetzarbeiten, die Paul Wallot geschaffen hatte.
Schauspielhaus am Gendarmenmarkt:
Klassizismus Architekten: Karl Friedrich Schinkel 1818-21, Innenarchitektur: K. Just, M. Prasser 1979-84
Am Gendarmenmarkt hatte Friedrich d. Gr. 1774-76 ein kleines Französisches Komödienhaus erbauen lassen, das gegen Ende des 18. Jh. als "Nationaltheater" unter August Wilhelm Iffland zur führenden deutschen Bühne aufstieg. Schon 1800/01 erbaute Carl Gotthard Langhans ein neues, größeres Theater, dessen Architektur sich nun gegen die beiden 1785 fertiggestellten Turmbauten des Deutschen und des Französischen Domes behaupten mußte. Doch 1817 brannte das Gebäude bis auf die Umfassungsmauern ab, und ein Jahr später bekam Schinkel den Zuschlag für einen Neubau.
Schinkel war an einige Vorgaben des Königs gebunden: So sollten die alten Umfassungsmauern und die Portikussäulen wiederverwendet werden, Bühne und Zuschauerraum sollten zugunsten eines zusätzlichen Konzertsaals und anderer Nebenräume verkleinert werden. Schinkel löste die Aufgabe brillant, indem er zwar den quer zum Platz liegenden Grundriß des Langhans-Baus aufnahm, ihn aber in eine dreiteilige Anlage mit einen höheren und breiteren Mittelbau umwandelte.
Die reiche plastische Ausschmückung schufen Friedrich Tieck und Christian Rauch. 1881 wurde der vorher verputzte Backsteinbau mit Sandsteinplatten verblendet. Der Mittelbau barg den 1200 Plätze fassenden Theatersaal. Der halbkreisförmig angelegte Zuschauerraum besaß ein ansteigendes Parkett und zwei Balkone mit dahinterliegenden Logen. 1903/04 wurde der Raum neobarock umgestaltet.
Nach den Zerstörungen des Kriegs wurde der Außenbau originalgetreu rekonstruiert, das Innere jedoch völlig verändert. Statt eines Theaters mit Bühne wurde ein 1850 Plätze fassender Konzertsaal mit einer an Schinkelschen Detailformen orientierten Ausstattung eingebaut. Die feierliche Eröffnung erfolgte 1984. Seit 1994 trägt das Haus den Namen "Konzerthaus Berlin".
Schloss Bellevue:
Klassizismus Erbaut von: Philipp Daniel Boumann 1785
Ein Jahr vor dem Tod Friedrichs d. Gr. setzte sich endlich auch in Preußen der Klassizismus durch. Schloß Bellevue ist der erste klassizistische Schloßbau in Preußen, dessen dreiflüglige Grundform zwar noch dem Barock entstammt, dessen strenge Fassade aber eindeutig klassizistisch ist. In nur einem Jahr, 1785, entstand das Schloß unter der Leitung von Philipp Daniel Boumann als Sommersitz für den jüngsten Bruder des Königs, August Ferdinand. Bis 1918 wurde es von den Hohenzollern bewohnt, 1935-38 diente es als Museum für Völkerkunde.
Anschließend, nach einem tiefgreifenden Umbau durch Paul Baumgarten, der das Innere völlig veränderte, fungierte es als Gästehaus der Regierung. Nach schweren Kriegszerstörungen wurde es in alter Form wiederaufgebaut, allerdings mit wiederum verändertem Inneren. Nur der Ovale Saal, 1791 von Carl Gotthard Langhans eingebaut, blieb erhalten.
Seit 1959 diente das Schloß den Bundespräsidenten als Berliner Dependance, seit 1993 ist es ihr erster Amtssitz.
Südlich des Schlosses, im nicht zugänglichen Park, entstand das viergeschossige Bürogebäude des Bundespräsidialamts in Ellipsenform (1996-98 Martin Gruber, Helmut Kleine-Kraneburg). Die Fenster sind schmucklos in die dunkelgrün polierte Granitfassade eingeschnitten.
Schloß Charlottenburg:
Barock Kernbau: 1695-99 Johann Arnold Nering, Martin Grünberg Erweiterung: Eosander von Göthe 1701-13 Neuer Flügel: Georg Wenzeslaus v. Knobelsdorff 1740-46 Theater: Carl Gotthard Langhans 1787-91
Die heutige Anlage ist ein Konglomerat ganz unterschiedlicher Bauphasen. Weit vor den Toren der Stadt entstand 1695-99 nach Plänen Johann Arnold Nerings das Lustschloß Lietzenburg für die Kurfürstin Sophie Charlotte, der zu Ehren es nach ihrem Tod 1705 umbenannt wurde. Dieser älteste Teil umfaßt den heutigen Mittelbau von elf Achsen Breite. Die Mitte der Gartenseite wird durch einen ovalen Saal betont, der wohl von einer Kuppel bekrönt werden sollte.
Ab 1701 wurde das Schlößchen von dem in Paris ausgebildeten Schweden Johann Eosander von Göthe zu einer repräsentativen Anlage erweitert: Beiderseits des Kernbaus wurden niedrigere, je 13 Achsen lange Flügel angebaut, die an der Gartenseite eine monumentale Fassade bilden. Zur Stadtseite hin formen zwei symmetrische schmale Flügel einen Ehrenhof, der durch ein Gitter abgeschlossen ist. Eosander krönte das Ensemble durch einen hohen Turm mit Kuppel und Laterne, über der sich die vergoldete Glücksgöttin Fortuna erhebt. Westlich schließt sich die bis 1713, dem Todesjahr Friedrichs I., errichtete, 143 Meter lange Orangerie an, die durch den Pavillon in ihrer Mitte einen eigenständigen symmetrischen Bauteil bildet.
Erst unter Friedrich dem Großen wurden 1740 die Arbeiten fortgeführt. Als Pendant zur Orangerie entstand - statt der ursprünglich geplanten zweiten Orangerie - der schlichte, in seinen Schmuckformen dem friderizianischen Rokoko zugehörige zweigeschossige "Neue Flügel" nach Entwürfen von Knobelsdorff, der mit seiner Rustizierung (Bänderung) des Sockelgeschosses die Wandgliederung des Kernbaus aufgreift.
Als letzter Bauteil kam in Verlängerung der Orangerie 1787-91 das heute das Schloßtheater nach Plänen von Carl Gotthard Langhans hinzu, das heute - im Inneren völlig umgestaltet - das Museum für Vor- und Frühgeschichte beherbergt.
Das Schloß wurde im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen, ist mittlerweile jedoch komplett wiederhergestellt. Mit seinen größtenteils rekonstruierten Räumen dient es heute als Museum.
Siegessäule:
In der Mitte des Großen Sterns kündet die Siegessäule von den preußischen Siegen über Österreich, Dänemark und Frankreich in den Einigungskriegen bis 1871. Ursprünglich stand die etwas zu kurz geratene Säule vor dem Reichstag. Albert Speer, Chefarchitekt Hitlers, ließ die Siegessäule 1938 aufstocken und hierher versetzen - übrigens zusammen mit den Denkmalen für Bismarck und die Generalfeldmarschälle Roon und Moltke rechter Hand. Speer wollte vor dem Reichstag Platz schaffen für seine gigantischen und größenwahnsinnigen Planungen für die "Reichshauptstadt Germania" - so wollte man Berlin 1950 umtaufen.
Von der Spitze der Siegessäule aus kann man über den Tiergarten hinweg auf Berlin schauen. Dabei wird deutlich, daß der Tiergarten die grüne Lunge der Stadt ist.
Unter den Linden:

Die Pracht- und Flaniermeile Unter den Linden ist eine Legende. Sie führt über 1,5 Kilometer von der Schloßbrücke zum Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor. Vorläufer war ein Reit- und Jagdweg vom Berliner Stadtschloß zu dem 1527 entstandenen kurfürstlichen Tiergarten. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ den Reitweg 1647 befestigen und auf einer Länge von 942 Metern mit Linden und Nußbäumen bepflanzen. Bereits 1658 fielen die jungen Bäume im Ostteil der Straße dem Bau der Stadtmauer zum Opfer. Ab 1740 ließ Friedrich II. am heutigen Bebelplatz anstelle der abgerissenen Befestigungen das Forum Fridericianum mit Opernhaus, St.-Hedwigs-Kathedrale, Alter Bibliothek und Prinz-Heinrich-Palais errichten. So erstrecken sich die Lindenbäume auch heute nur im westlichen Teil der Straße. Die Bebauung der Straße westlich der Festung setzte 1674 ein. Der Abschnitt zwischen Schadowstraße und Pariser Platz entstand ab 1734. Im Osten wurde bereits 1687 mit dem Bau des Zeughauses begonnen. Nach dem Sieg über Napoleon plante Friedrich Wilhelm III. die Straße durch seinen Baumeister Karl Friedrich Schinkel zu einer festlichen Via Triumphalis auszubauen. Es entstanden die Neue Wache und die Schloßbrücke.
War der östliche Teil der Lindenallee Repräsentationsstraße, prägten im westlichen Teil bürgerliche Wohnbauten ihren Charakter. Während der Gründerjahre nach 1871 wurde aus der vornehmen Wohnstraße eine belebte Geschäftsstraße mit Restaurants, Cafés, Hotels, Banken, Agenturen, Geschäften und Passagen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße Unter den Linden zum großen Teil zerstört. Ihr Wiederaufbau begann in den 50er Jahren. Dabei wurden die Bauten im östlichen Teil in ihrem ursprünglichen Zustand wiederhergestellt, während man sich im stärker zerstörten Westteil für eine teilweise Neubebauung entschied.